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Wunstorf
Als Körperbehinderter In Wunstorf leben
Alle Beiträge des Autors auf myheimat.de | Seit 36 Jahren sitze ich durch einen Verkehrsunfall, den ich mit elf Jahren erlitten habe, im Rollstuhl. Bis 1970 habe ich selbst in Wunstorf gewohnt, ehe ich dann mit meinen Eltern nach Luthe zog. Ich habe in Luthe im Verein Fußball gespielt und bin auf die Otto-Hahn-Realschule gegangen.
Von 1987 bis 2006 lebte ich in Hannover, war dort auch verheiratet, und habe eine 20-jährige Tochter. Nach der Trennung von meiner Frau bin ich wieder nach Wunstorf gezogen. Seit fast drei Jahren arbeite ich nun in der Werkstatt für Behinderte (WfB) in Seelze und es tut mir sehr gut eine Aufgabe zu haben, die den Tag ausfüllt, und der Kontakt mit den Kollegen ist mir auch sehr wichtig geworden.
Im Großen und Ganzen bin ich fast ganz zufrieden mit meinem Leben. Nur ist mir aufgefallen, dass es für Behinderte doch sehr schwer ist neue Kontakte zu knüpfen, und Bekanntschften zu machen. Waran das liegt, vermag ich nicht zu sagen, denn bei fast jeder Veranstaltung hier im Ort bin ich immer dabei, und ich verkrieche mich auch sonst nicht im Haus.

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Kommentare von myheimat.de

24.07.2010
Ich habe es nie gelernt mit Körperbehinderten umzugehen. Sie wurden mir immer fern gehalten. Das tat die Gesellschaft. Sie waren in besonderen Einrichtungen untergebracht. Als Kriegsversehrte humpelten sie durch Berlin. Oder fuhren mit diesen Holzwagen, die mit Hand bewegt wurden.
Ein Mitschüler hatte nur ein Bein. Wir spielten zusammen Fußball. Ich blieb ihm gern fern, das er sehr aggressiv war.
Heute sind Körperbehinderte überall zu sehen. Und wieder fällt mir auf - meist sind sie aggressiv, wenn sie angesprochen werden. Eine Unterhaltung ist schwierig. Werde ich angesprochen gestaltet es sich einfacher, weil der Sprecher eine Unterhaltung wünscht.
Eine neue Art der Aggressivität erlebe ich bei den Müttern von behinderten Kindern. Dulde ich nicht alles, was ihre Kinder z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln mit mir machen bekomme ich eine endlose Schimpfkanonade die darin gipfelt, daß ich ein Unmensch bin und endlich sterben sollte.
Ich denke es wird besser werden mit dem Umgang der beiden Seiten, weil Behinderung nicht mehr versteckt wird und die Medien uns täglich daran erinner, dass wir nur einen Schritt vom "Normalen" zum "Behinderten" entfernt sind.
24.07.2010
Ein Beitrag, der wahrlich zum Nachdenken anregt...

Ich beziehe mich mal in erster Linie auf A. Müllers Antwort und hoffe, ich schweife nicht zu weit ab.

Ich wurde in letzter Zeit desöfteren in der Bahn von eher psychisch behinderten Personen angesprochen, die freundlich nach den weiteren Reiseverbindungen fragten. SELBSTVERSTÄNDLICH beantwortete ich ihnen ihre Fragen und so entstanden daraus mehrere sehr emotionale Unterhaltungen, bei denen ich teilweise gar nicht glauben konnte, was für Geschichten den Menschen schon passiert waren... Da könnte ich mich fürchterlich drüber aufregen und ellenlange Geschichten schreiben...

So etwa ein Mann, der nicht lesen und schreiben konnte, und von einem Busfahrer vor den Fahrgästen lächerlich gemacht wurde oder eine offensichtlich geistig behinderte Frau, die schon durch den ganzen Zug gelaufen war und der ich als erster weiterhalf. "Die meisten Leute antworten gar nicht oder beschimpfen mich, wenn ich sie etwas frage..."

Mit Menschen mit körperlichen Behinderungen habe ich bisher eher weniger zu tun gehabt. Ich finde es aber nachvollziehbar, dass die dann und wann aggressiv reagieren, wenn sie angesprochen werden - wohl davon ausgehend, dass dem (wieder) irgendeine Beschimpfung folgt. Die haben offenbar ein krasses Misstrauen aufgebaut. Und Schuld daran sind die Leute, die eben diese Menschen grundlos schikanieren.

Was ich sagen will: Es ist eine Schande, wie hierzulande teilweise mit geistig wie körperlich behinderten Menschen umgegangen wird! Pfui!

Andererseits wird man bei berechtigter Kritik (und vielleicht der Bitte, dass das Kind aufhören möge gegen das Schienbein zu treten) von "Müttern von behinderten Kindern" zurechtgewiesen und als intolerant dargestellt... Was für eine verrückte Welt!

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